Der Block im Hatha Yoga: sechs Einsätze für jede Stunde
„Hatha Yoga“ ist der Oberbegriff für das körperbetonte Yoga mit Haltungen (Asanas) und Atemübungen, aus dem fast alle heutigen Stile hervorgegangen sind. In einer typischen Hatha-Stunde wechseln stehende, sitzende und liegende Haltungen in ruhigem Tempo. Ein Block kommt dabei immer wieder zum Einsatz, und zwar an ganz unterschiedlichen Stellen.
Kurzer Hintergrund
Als klassischer Grundlagentext des Hatha Yoga gilt die Hatha Yoga Pradipika, die meist dem 15. Jahrhundert zugeordnet und dem Yogi Svatmarama zugeschrieben wird. Sie beschreibt Haltungen, Atemtechniken und Reinigungsübungen. Hilfsmittel wie Blöcke kommen darin nicht vor; sie wurden erst im 20. Jahrhundert gebräuchlich. Heute gehören sie in nahezu jedem Hatha-Kurs zur Grundausstattung. Mehr zum Begriff im Wikipedia-Artikel Hatha Yoga.
Sechs typische Einsätze
1. Dreieck (Trikonasana)
Die untere Hand liegt auf einem Block neben dem vorderen Fuß, statt am Schienbein zu „hängen“ oder den Boden zu erzwingen. So bleiben beide Flanken lang, und der Brustkorb kann sich nach oben öffnen. Der Block steht außen am Fuß, je nach Beweglichkeit flach, auf der Kante oder hochkant.
2. Halbmond (Ardha Chandrasana)
In dieser Balance auf einem Bein ist der Block fast unverzichtbar. Er steht etwa 30 cm vor und etwas außerhalb des Standfußes und trägt die untere Hand. Weil hier viel Gewicht auf den Block kommt, sollte er rutschfest und stabil sein. Kork ist ideal.
3. Seitwinkel (Parsvakonasana)
Die untere Hand auf dem Block innen oder außen am vorderen Fuß. Die Erhöhung erlaubt, das vordere Knie über dem Knöchel zu halten, ohne sich mit dem Oberkörper zusammenzufalten.
4. Fersensitz und Heldensitz
Ein Block zwischen den Fersen, auf den man sich setzt, nimmt Druck von den Knien. Für Menschen mit steifen Sprunggelenken ist das oft die einzige Möglichkeit, länger im Fersensitz zu bleiben.
5. Brücke mit Block
Ein Block flach oder auf der Kante unter dem Kreuzbein verwandelt die aktive Brücke in eine ruhende Umkehrhaltung. Das ist gut zum Abschluss einer Stunde. Nicht unter die Lendenwirbelsäule legen, sondern auf den flachen Knochen am unteren Ende des Rückens.
6. Sitzende Vorbeuge
Ein Block unter dem Gesäß hebt das Becken an, sodass es nach vorne kippen kann. Das nimmt die Rundung aus dem unteren Rücken. Wer die Füße nicht erreicht, ergänzt einen Gurt.
Welcher Block für Hatha?
Da im Hatha viele Haltungen mit Gewicht auf den Händen vorkommen, ist ein fester Block die bessere Wahl. Kork oder ein dichter Schaumstoffblock mit 10 cm Höhe decken fast alles ab. Wer auch unterstützte Rückbeugen und die Endentspannung abdecken möchte, nimmt als zweiten Block einen weicheren. Warum zwei Blöcke oft sinnvoll sind, erklärt der Beitrag Yoga Block Set.
In vielen Kursen greifen gerade die erfahrenen Teilnehmer selbstverständlich zum Block. Er dient der Ausrichtung, nicht als Krücke für Anfänger. Eine Haltung mit Block, in der Sie ruhig atmen können, bringt mehr als eine tiefere Variante mit angehaltenem Atem.
Ein Beispielablauf mit Block
Wie oft der Block in einer ruhigen Hatha-Einheit zum Einsatz kommt, zeigt ein einfacher Ablauf von etwa 45 Minuten. Legen Sie vorher zwei Blöcke und eine Decke neben die Matte, damit Sie nicht suchen müssen.
- Ankommen im Sitzen: auf einem Block im Schneidersitz, einige Minuten ruhig atmen.
- Aufwärmen: Vierfüßler, Katze und Kuh, dann der herabschauende Hund mit den Händen auf den Blöcken.
- Stehende Haltungen: Dreieck und Seitwinkel mit dem Block außen am vorderen Fuß, zum Schluss der Halbmond.
- Sitzende Haltungen: Vorbeuge mit Block unter dem Gesäß, danach der Schmetterling mit Blöcken unter den Knien.
- Ausklang: Brücke mit Block unter dem Kreuzbein, dann Endentspannung mit der Decke.
Der Ablauf ist ein Vorschlag, kein Programm. Wer Beschwerden hat oder neu anfängt, lässt sich die Haltungen am besten zuerst in einem Kurs zeigen.
Von Hatha zu anderen Stilen
Die gleichen Einsätze tauchen in fließenden Vinyasa-Stunden auf, nur schneller. Im ruhigen Yin Yoga dient der Block dagegen vor allem als Ablage. Die Sanskrit-Namen der hier genannten Haltungen erklärt das Verzeichnis der Übungsnamen.
Passt dazu
Yoga Block aus Kork
Der Klassiker im Studio: schwer, rutschfest, fast unverwüstlich – aber nicht für jede Übung die bequemste Wahl.
Yoga Block im Yin Yoga
Minutenlang in einer Haltung bleiben – mit weichen Blöcken an den richtigen Stellen wird das entspannt statt verbissen.
Nach unten schauender Hund
Die meistgeübte Haltung – und die, in der Blöcke unter Händen, Kopf oder Fersen am meisten verändern.